08. September 2013

Stapelburg / Veckenstedt

Informationen zur Station

Ankunft ca. 18:00 Uhr, Grenzmuseum Stapelburg
Übernachtung FeWo Bardy
Adresse Kurzer Stieg 2, 38871 Veckenstedt
Veranstaltung 9:00 Uhr: Geologische Führung an der Oker mit dem BUND

Boah, voll platt. Nach rund 28 km und einer wichtigen und guten Führung heute morgen und dem "Grenzübertritt" an der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland, in Stapelburg, sind wir in Veckenstedt mehr wankend als gehend eingetroffen. Heute haben wir schon Halbzeit. Wir sind drei Wochen unterwegs, sind die halbe Strecke gegangen und haben jetzt noch drei Wochen vor uns. Aber der Reihe nach ...

Heute morgen haben wir wieder im vollen Trubel der Jugendherberge gefrühstückt. Wenn dies jeden Tag so wäre, müßte ich mich seelisch arg umstellen. So in den Tag geworfen zu werden ist schon gewöhnungsbedürftig.

Herr Knolle vom BUND zeigt uns die Indikatorpflanzen für Schwermetallbelastung

Wir wollten zeitig los, da wir mit Dr. Frieder Knoll vom BUND verabredet waren. Es ist uns nur bedingt geglückt und deshalb haben wir die ersten 4 Kilometer schon im Eiltempo zurückgelegt. Wir haben ihn dann am Segelflugplatz in Oker, einem Nachbarort von Goslar getroffen. Er hat unser Bild der letzten Tage heute vollständig gemacht, indem er uns die Folgewirkungen des Bergbaus zeigen konnte. 

Es gibt im Harzraum mit seiner über 3000 Jahre alten Bergbautradition zahlreiche Abraumlagerstätten die mit Schwermetallen durchsetzt und somit hochgiftig sind. Dies kann man an der Vegetation erkennen. Es gibt wenige Pflanzen die in der Lage sind auf diesen Böden zu wachsen, da sie die Schwermetalle aufnehmen und festhalten können, sie sind schwermetallresistent. Drei von ihnen haben wir heute kennengelernt; Hallersche Schaumkresse, Hallersche Grasnelke und das Taubenkropfleimkraut. Sie sind regelrechte Indikatoren für das Vorhandensein dieser Gifte. Wachsen auf einer Bodenfläche viele dieser Pflanzen und sonst so gut wie nichts, kann man sicher sein, es dort mit solchen hochbelasteten Böden zu tun zu haben.



Schwermetallindikatoren

Mit dem Regenwasser werden ständig Teile davon in das Flüsschen Oker geschwemmt und landen so letztlich im Meer und in unseren Nahrungskreisläufen. Es sind enorme Anstrengungen vonnöten um diese Böden wenigstens so zu lagern, daß sie nicht mit Wasser in Kontakt kommen und so unkontrolliert weitergetragen werden. Klügere Lösungen haben wir bisher noch nicht gefunden.

Diese Führung hat mich sehr an die Spülfelder in Hamburg erinnert, die Joseph Beuys in einer Free International University bearbeiten wollte, d.h. alle Interessierten wären eingeladen gewesen, mitzuhelfen, gemeinsam Lösungen für diese Probleme zu suchen. Überhaupt erinnert mich unser Gang nach Berlin immer mehr an die Idee einer Freien Internationalen Universität. Wir lernen umfassend Neues.



Wir sind in Bad Harzburg noch einmal in den Wald aufgestiegen. Wohl zum letzten Mal vor dem Hohen Fläming, denn jetzt liegt die Magdeburger Börde mit ihren großen Feldflächen vor uns. Im Wald haben wir dann ganz unspektakulär an einer Brücke schon einmal die ehemalige Grenze zwischen der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR erlebt. Von dort sind wir nach Stapelburg an den Gedenkstein der an der ehemaligen Grenze steht und haben dort Rast gemacht. Hier hatten wir unsere Halbzeit!

Grenze im Wald

Grenzübergang Stapelburg/Eckertal

Stillgelegtes Grenzmuseum



Von dort wurde es dann mühsam die letzten fünf Kilometer noch zu gehen und wir waren heilfroh so gastfreundlich mit Abendbrot empfangen zu werden. Heisse Suppe ist eine tolle menschliche Erfindung. Jetzt noch heisses Wasser auf mein Haupt und dann fallen mir bestimmt die Äuglein ganz schnell zu. 
Michael von der Lohe

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