11. September 2013

Halberstadt

Informationen zur Station

Übernachtung Gästehaus Spiegelsberge
Info/Kontakt +49 3941 621914, info@gaestehaus-spiegelsberge.de
Adresse Spiegelsberge 5, 38820 Halberstadt
Veranstaltung ganztägiges Programm
Standort OMNIBUS Fischmarkt



Jetzt bin ich ganz schön platt. Daniel Büttner hat uns ein pralles Programm in Halberstadt zusammenstellen können, vielfältig, informativ, mit tollen menschlichen Begegnungen, ausgezeichneten Führungen und einem unglaublichen Detailreichtum.

Er selbst ist schon am Morgen zu einer freien Schule gefahren und hat dort von unserer Volksinitiative "Schule in Freiheit" berichten können. Wir sind erst um 9:00 Uhr in die Stadt gegangen (3,2 km eine Strecke) und wurden dort vom ehemaligen Baudezernenten Rainer Schöne mit den baulichen Veränderungen seit dem zweiten Weltkrieg und den teils jahrhunderte alten Gebäuden um den Dom vertraut gemacht. 

Dann ging es in den Dom und zum weltweit einmaligen Domschatz. Dort hat uns Ruth Jäger mit ungeheurer Detailkenntnis die unglaublich aufwändigen Kultusgegenstände gezeigt. Bücher, Gewänder, Reliquien, Teppiche, Altäre ... Mich beeindruckt daran besonders mit welcher Akribie die Dinge gearbeitet worden sind, teilweise über viele Jahre bis sie fertig waren. Eine weitere Besonderheit ist hier der Umstand, dass evangelische und katholische Geistliche über Jahrhunderte in gelebter Ökumene gemeinsam den Dom genutzt und verwaltet haben.

Nächste Station: das Gleimhaus. Führung durch die Museumsleiterin Dr. Ute Pott. Hier befindet sich die Sammlung von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der als Domprobst im 18. Jahrhundert hier gearbeitet hat und sich als total aktiver Netzwerker der Literatur betätigt hat. Er hat mit seinem Vermögen sehr viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen gefördert und sich auch von den meisten ein Ölportrait anfertigen lassen. Seine Bibliothek ist so umfassend, dass sie mit Weimar und Marbach in einem Atemzug genannt wird. Er hat, selbst unverheiratet und kinderlos, einen Verwandten testamentarisch beauftragt zusammen mit Herder eine Schule der Humanität zu entwickeln und zu gründen.

John-Cage-Orgel

Weiter ging es zum Burchardi-Kloster und dem John Cage Projekt ORGAN2/ASLSP, As SLow aS Possible. Hier hat uns Mitinitiator Rainer O. Neugebauer zunächst etwas über John Cage und über die Entstehungsodysee des Kunstprojektes "John-Cage-Orgel Halberstadt" erzählt. Dann sind wir in den Kirchenraum und haben dem einzelnenTon gelauscht der noch bis 5. Oktober zu hören ist, ehe wir mehr über die Orgel selbst und die Durchführung erfahren haben, denn die Anweisung "so langsam wie möglich" ist hier auf 639 Jahre festgelegt worden. Solange war es seit dem Jahr 2000 her, dass ein Orgelbauer im Jahre 1361 die erste Orgel mit einer Oktave aufgeteilt in 12 Töne gebaut hatte. Eine Revolution in der Musik, da man jetzt mit einer Instrumentenstimmung alle Tonarten spielen konnte, aber gleichzeitig auch eine Einengung. Mir hat ein Zitat von John Cage besonders gut getan: Ich muss mich vor meinen Wünschen schützen.

Rainer O. Neugebauer

Dann waren wir im jüdischen Museum. Hier hat uns Direktorin Jutta Dick über die Geschichte und das Ende der sehr großen jüdischen Gemeinde von Halberstadt erzählt. Dort konnten wir auch die kläglichen Mauerreste der ehemals prächtigen Barocksynagoge betrachten, die mit dem scheinheiligen Argument sie sei baufällig, 1939 abgerissen worden ist.

Am Abend haben wir uns noch einmal am Buchardi-Kloster getroffen, über den Kunstbegriff von John Cage gesprochen und unsere Eindrücke des Tages ausgetauscht und zum Abschluss noch einmal im Dunkeln im Kirchenschiff gestanden und dem Ton gelauscht ...

Jetzt bin ich noch müder ..., aber auch froh über den eindrucksvollen Tag.
Michael von der Lohe

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